Was liest eigentlich… Dr. Andrej Fischer?
Wer digitale Transformation ernst meint, kommt an Finanzen nicht vorbei. Trotzdem bleibt die Unternehmenssteuerung über Finanzkennzahlen für viele im Management, aber auch für Berater:innen eine Blackbox. Dr. Andrej Fischer empfiehlt deshalb ein Buch, das dieses wichtige Thema zugänglich macht.
Das Buch
- Titel: Financial Intelligence – A Manager’s Guide to Knowing What the Numbers Really Mean
- Autoren: Karen Berman, Joe Knight et al.
- Erscheinungsjahr: 2013 (Revised Edition)
- Verlag: Harvard Business Review Press
- ISBN: 9781422144114
Warum dieses Buch?
In vielen Projekten – vor allem im Daten- und KI-Umfeld – dominieren oft technische Fragen: Architektur & Tools, Modelle & Skalierbarkeit. Aber am Ende steht immer der wirtschaftliche Effekt im Fokus. Dann sprechen Entscheider:innen von „Topline“ und „Bottomline“, von „Working Capital“ oder „ROI“.
Financial Intelligence macht diese CFO-Vokabeln verständlich. Das Buch richtet sich explizit an Menschen ohne Controlling- oder Finance-Background und erklärt die Logik von Gewinn- und Verlustrechnung (Income Statement), Bilanz (Balance Sheet) und Cashflow so, dass man sie im Arbeitsalltag anwenden kann. Gerade für Berater:innen mit naturwissenschaftlichem Background ist das wertvoll, weil viele Führungskräfte bei den Kunden genau in diesen Kategorien denken und entscheiden.
Was macht das Buch besonders?
Das zentrale Learning aus dem Buch ist für mich, dass Zahlenwerke in Unternehmen selten so neutral und objektiv sind, wie sie für Außenstehende wirken. Umsatz ist nicht gleich Umsatz – entscheidend ist, wann er als solcher verbucht wird. Kosten landen in der Gewinn- und Verlustrechnung im Monatsabschluss nach Regeln, die durchaus Freiheitsgrade haben (etwa bei Abschreibungsfristen). In diesen Spielräumen entstehen Gestaltungsmöglichkeiten. Die vielen historischen Beispiele und Anekdoten im Buch sorgen dafür, dass man die Zusammenhänge nicht nur versteht, sondern im Alltag wiedererkennt. Gerade jetzt, wo viel von der KI-Blase geschrieben wird, kann man wieder viele Beispiele des „Financial Engineering“ sehen. Der US-Kontext des Buchs ist zwar deutlich, die grundlegenden Prinzipien lassen sich jedoch gut auf den deutschen Raum übertragen.
Was nehme ich mit – für meinen (Arbeits-)Alltag?
In der Anbahnung und der Auftragsklärung hilft mir das Buch dabei, die Relevanz von Projekten sauber einzuordnen – für mich und für den Kunden. Zahlt eine Initiative eher auf die Topline ein, also auf Wachstum? Oder auf die Bottomline, etwa durch Effizienzgewinne? Oder wirkt sie indirekt, zum Beispiel über bessere Forecasts – auf Lagerbestände oder kürzere Durchlaufzeiten – und damit auf die Cash-Situation?
Gerade bei Daten- und KI-Initiativen ist der finanzielle Effekt oft nicht sofort sichtbar. Am Anfang stehen häufig erstmal Investitionen in Grundlagen. Umso wichtiger ist es, den potenziellen Wertbeitrag von Daten & KI verständlich zu erklären – insbesondere gegenüber CFOs oder Geschäftsführungen. Das Buch liefert dafür ein solides Fundament, um Business Cases so zu formulieren, dass sie anschlussfähig und nicht im Technischen stecken bleiben.
Für wen lohnt sich das Buch?
Für Berater:innen ohne BWL-Hintergrund, die regelmäßig mit dem Top-Management sprechen und Initiativen intern platzieren müssen.
Für Fach- und Führungskräfte, die verstehen wollen, wie ihr Unternehmen funktioniert und finanziell gesteuert wird – ohne ein BWL-Studium nachzuholen.
Und für alle, die das eigene Geschäftsmodell und ihren Einfluss darauf besser durchdringen wollen. Denn am Ende sind wir alle Teil eines Unternehmens, dessen Logik sich auch in den Zahlen ausdrückt.
Lesetipp
Ich empfehle das Buch allen, die Entscheidungen in Unternehmen vorbereiten, beeinflussen oder bewerten müssen. Financial Intelligence macht aus den Leser:innen zwar keine Finanzprofis, hilft aber, die wesentlichen Zusammenhänge einzuordnen. Wer versteht, wie Entscheidungen auf GuV, Bilanz und Cashflow wirken, argumentiert klarer, priorisiert besser und trifft bessere, belastbarere Entscheidungen.
Was es sich noch zu lesen lohnt:
Chris Voss: Never Split the Difference
Chris Voss war jahrzehntelang Verhandler bei Geiselnahmen für das FBI. Seine Erfahrungen überträgt er seit einigen Jahren auf die Business-Welt. Besonders an seinem Ansatz ist das Konzept der „radikalen Empathie“: erst Interessen, Ziele und Zwänge des Gegenübers ernsthaft verstehen, dann verhandeln. Das passt gut zu Strategie- und Entscheidungsrunden, in denen nachhaltige Lösungen für alle wichtiger sind als taktische Spielchen.
Henrik Kniberg: Generative AI in a Nutshell
Eines der wenigen Bücher zu Generativer KI, das ich aktuell wirklich gern empfehle. Kniberg erklärt komplexe Zusammenhänge verständlich, mit vielen witzigen Illustrationen und konkreten Tipps und Tricks. Damit gibt er einen praxisnahen Überblick darüber, wie Unternehmen sich im Zeitalter von GenAI orientieren können, anstatt nur Trendbegriffe aneinander zu reihen. Ein fundierter Einstieg, der sich nicht in technischen Details verliert.
Über Dr. Andrej Fischer
Andrej Fischer ist Executive Manager bei Comma Soft und verantwortet das Consulting mit Fokus auf Daten- und KI-Themen. Er begleitet Industrie, Mittelständler und Familienunternehmen bei digitalen Transformationsprojekten – von der strategischen Einordnung bis zur Umsetzung. Besonders wichtig ist ihm, KI so einzusetzen, dass sie Menschen im Arbeitsalltag entlastet und Raum für Menschsein schafft.